Weiterbildungen im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung

Bildung für nachhaltige Entwicklung zielt vor allem auf die Fähigkeit zur reflexiven, verantwortungsbewussten Mitgestaltung der Gesellschaft im Sinne nachhaltiger Zukunftsentwicklung ab. Das bedeutet, Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln zu befähigt. Bildung für nachhaltige Entwicklung ermöglicht es jedem Einzelnen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.

 

Diesjähriges Thema: Bildner*innen der Zukunft

 

In der BNE stößt man oft auf die vage Umschreibung „gutes Leben für alle“, wenn es um die Ziele nachhaltiger Entwicklung geht. Was könnte damit gemeint sein? Und wie könnte das erreicht und ausgefüllt werden? Wie kann eine mögliche Antwort darauf in die eigene BNE-Arbeit überführt und integriert werden? Wie kann das nutzbar gemacht werden für die Ziele nachhaltiger Entwicklung und speziell für die Etablierung von nachhaltigen Bildungslandschaften, die eine Schlüsselstellung einnehmen im kommunalen Prozess der nachhaltigen Entwicklung?

  

Im Rahmen unserer Fortbildung bieten wir als Antwort auf die Frage nach dem guten Leben für alle die Herstellung guter zwischenmenschlicher Beziehung an, also die Betonung spezifischer sozialer Kompetenzen als Schlüssel zu einer funktionierenden Gemeinschaft, die sich kooperativ für eine bessere Welt einsetzt.

 

Immer häufiger wird die Bedeutung von Beziehungen in vielen Bereichen des Alltags erkannt. Aus dem Forschungsbereichen der positiven Psychologie wird deutlich, was das Leben lebenswert macht: andere Menschen. Viele Forschungsergebnisse weisen mittlerweile darauf hin, dass die Bedeutung anderer Menschen in unserer Umgebung und damit unsere Beziehungen für unser Glück, Wohlbefinden und eine funktionierende Gemeinschaft sorgen.

 

Schönes lässt sich am besten in Gesellschaft anderer genießen. Erfahrungen, die gemeinsam gemacht werden, lassen sich besser erzählen und erinnern. Gute Beziehungen zu anderen sind eine notwendige Bedingung für ein glückliches Leben. Lernen funktioniert besser, wenn zwischen Lehrer und Schüler eine gute Beziehung besteht. Projekte lassen sich leichter, effektiver und erfolgreicher durchführen, wenn zwischen den Beteiligten vertrauensvolle Beziehungen bestehen. Erfolge bei der Arbeit verdanken wir meist nicht nur uns selbst, sondern auch der Unterstützung durch andere Menschen. Gutes Leben, das ist unsere Arbeitshypothese für diese Fortbildung, heißt achtsame und liebevolle Beziehungen zu führen, sei es mit Familie, Kollegen, Partnern und Nachbarn. Darüber hinaus ist mittlerweile auch erwiesen, dass achtsamer und respektvoller Umgang von Menschen untereinander nicht allein bei den Mitmenschen stehen bleibt, sondern oft auch übertragen wird auf den Umgang mit Tieren und mit der Natur im allgemeinen.

 

Aber wie könnte das erreicht werden?

 

Der Schlüssel hierzu liegt in der Art und Weise wie wir aufeinander zugehen, wie wir miteinander umgehen und wie wir miteinander kommunizieren. In der Fortbildung wollen wir den ganz individuellen Antworten auf Fragen zugrunde gehen wie: Wie verbunden fühlen wir uns dem anderen und der Umwelt gegenüber? Wie kommunizieren wir und mit welcher Aufrichtigkeit und Authentizität bringen wir unsere eigene Persönlichkeit in unseren Worten zum Ausdruck? Welche Rolle spielt dabei das Vertrauen in sich selbst und andere?

 

Dabei sollen die Antworten mit den eigenen Erfahrungen im Arbeitsalltag abgeglichen werden, um derart „problematische Beziehungsverhältnisse“ aufzudecken, die die Arbeit erschweren bzw. die verbessert werden können. Das heißt, dass die Teilnehmer*innen mit ihren eigenen Erfahrungen im größeren Umfang zu Wort kommen werden: was kennen sie aus ihrer eigenen Arbeit, aus ihrer Kommune? An welchen Stellen beginnen die Probleme? Wo lauern Gefahren im Umgang mit anderen? Wie arrangiert man sich im Job, im Team, in Gremien, mit bestimmten Akteuren?

 

Den Teilnehmer*innen soll verdeutlicht werden, dass Beziehungsarbeit allgegenwärtig ist und somit soll für die Bedeutung der Beziehungsarbeit sensibilisiert werden.

 

Bildner*innen der Zukunft sind beziehungsfähig und haben den Fokus auf Beziehungen und Emotionen, weil sie wissen, dass sie nur darüber Inhalte vermittelt können. Bildner*innen der Zukunft wissen, dass hierzu gegenseitiges Ernstnehmen und „Gesehen werden“ wichtig sind und das Kennenlernen von Menschen eine logische Folge dieses veränderten Verhaltens ist. In der Arbeit der Bildner*innen der Zukunft machen Beziehungen und Emotionen einen Großteil der zukünftigen Arbeit aus. Bildung ohne Beziehung und Emotion wird in Zukunft nicht mehr möglich sein. Das bildet den Grundstein für Zusammenarbeit, Teamfähigkeit und letztlich auch für die Möglichkeit, kommunale Akteure unterschiedlicher Coleur im Rahmen nachhaltiger Bildungslandschaften einzubinden bzw. Themen nachhaltiger Entwicklung zu vermitteln.

 

Angesichts kommunaler Arbeit, vor allem in Bezug auf die Etablierung nachhaltiger Bildungslandschaften, ist dies dahingehend von Bedeutung, da dadurch auch existierende Machtverhältnisse offen gelegt werden können. Und es kann das Bewusstsein dafür wachsen, dass alle kommunalen Akteure für eine nachhaltige Bildungslandschaft wichtig sind und auch mit all diesen Akteuren kommuniziert und interagiert werden kann, unabhängig davon, wie deren Interessen und Ansichten aussehen.

 

Die Fortbildung ermöglicht somit weitgehende Impulse für die eigene (Beziehungs-)Arbeit in der Kommune sowie für das eigene Selbstverständnis in der kommunalen Arbeit. Sie soll einen Rahmen bieten, der die Aufmerksamkeit der Teilnehmer auf ihre Beziehungen und Emotionen richtet und in den jeweiligen Alltag der Teilnehmer/innen zurückwirkt. Es soll damit einen Beitrag zu einer systemischen Veränderung leisten, indem Wahrnehmungs-, Beziehungs-, und Handlungsmuster durch Kontextwandel und Methoden neu erlebt, erfahren und erlernt werden.

 

 

ZIELGRUPPE

 

Die Fortbildungsmaßnahme richtet sich an BNE-Bildungspraktiker*innen in Brandenburg, die zum einen miteinander und voneinander lernen und ihre eigene Arbeit professionalisieren möchten. Und die sich zum anderen intensiver mit der Bedeutung sozialer Kompetenzen und der Beziehungsarbeit für die Ausgestaltung von Prozessen nachhaltiger Entwicklung beschäftigen möchten und hier einen größeren „Werkzeugkoffer“ benötigen, den sie in ihrer alltäglichen Arbeit als Bildner*innen der Zukunft nutzen wollen. Die erfahrungsorientierte und aktive Mitgestaltung der TN soll hierbei ein selbstbestimmtes Lernen ermöglichen.

  

 

 

INHALTE DER WEITERBILDUNG

 

 

Modul 1

(voraussichtlich 22./23. September 2018)

 

Beziehungsarbeit - Grundlagen

 

  • In Beziehung zueinander treten, Kennenlernen, Vorstellen des Arbeitsablaufes
  • Theoretischer Input zum Zusammenhang der Themen soziale Beziehungen, Beziehungsarbeit, Kommunikation, Kooperation, Glück sowie deren Begriffsklärung
  • Aktionsblock Beziehung allgemein: Erarbeitung und Bearbeitung eigener Sichtweisen
  • Aktionsblock Beziehung und Arbeit (Fokus: Problemkonstellationen im Bereich BNE, nachhaltige Entwicklung und Kommune): Erarbeitung und Bearbeitung eigener Erfahrungen)

 

Methoden: Vortrag, interaktive Spiele, Übungen verbaler und nonverbaler Kommunikation, Rollenspiele, Diskussion

 

 

 

Modul 2

(voraussichtlich 06./07.Oktober 2018)

 

Aktive Beziehungsarbeit

 

  • Theoretischer Input zu Beziehungen und Umwelt (Wie bringt man Menschen in Beziehung?)
  • Vorbereitung eines eigenen Projekts im Bereich „Beziehungsarbeit“
  • Vorstellen des eigenen Projekts und Präsentation mit allen Anwesenden
  • Auf Grundlage des Projekts vertiefende Übungen zur Selbstreflexion eigener Stärken und Schwächen im Bereich Beziehungsarbeit
  • Auf Grundlage der Projekte und der Selbstreflexion vertiefende Übungen zu den individuellen Stärken und Schwächen (z.B. Reflektieren von Machtverhältnissen)
  • Vertiefende Übungen zur Nachhaltigkeit der erlernten und angewandten Methoden

 

Methoden: Input/Vortrag, Spiele, Achtsamkeitsübungen, Meditation, Aufstellung, Vertrauensübungen, Konflikttraining, Simulationsübungen

 

 

 

In Kontakt treten - Bearbeitung eines eigenen Projekts (2 Wochen)

 

Zwischen den beiden Arbeitswochenenden wird das selbst konzipierte Projekt durchgeführt. Die durchführenden Referent*innen stehen in dieser Zeit für Rücksprachen zur Verfügung und bereiten auf Grundlage der Projektthemen individuelle Interventionen vor.

 

 

 

REFERENT*INNEN

 

Expert*innen aus der BNE-Praxis sowie der Sozialkompetenzschulung, Referent*innen aus dem Feld der Umweltbildung, Globalem Lernen und der politischen Bildung

 

 

u.a.:

 

Dr. Ulrike Häußer: Studium der Europäischen Ethnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und Promotion im Bereich Visuelle Anthropologie/deutsche Kultur- und Filmgeschichte über eine filmische Langzeitdokumentation. Zu ihrem Forschungsinteresse gehören die Zusammenhänge von Gesellschaft und Biographie, die Soziologie des Glücks und damit die Zusammenhänge zwischen dem subjektiven Wohlempfinden und der Lebenszufriedenheit. Sie lehrt am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin. Zurzeit arbeitet sie als Dozentin im Bereich der Jugendbildung und führt Berufs- und Lebensorientierende Seminare an Berliner Oberschulen durch.

 

 

Dr. Lars Kulik: Studium der Biologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und Promotion im Bereich Verhaltensbiologie über das Kooperationsverhalten von Rhesusaffen. Zu seinen Forschungsinteressen gehören die theoretischen Grundlagen und praktischen Ausführungen menschlicher und gesellschaftlicher Kooperation sowie die systemischen Zusammenhänge zwischen biologischen und gesellschaftlichen Abläufen. Zusammen mit Dr. Häußer lehrt er am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin. Des Weiteren begleitet er diverse Gruppenprozesse bzw. Gruppentherapien. Im Rahmen von ERASMUS-Plus betreut er eine Spielentwicklung über interne EU-Prozesse.

 

 

 

 

TEILNAHMEKOSTEN

 

 

550,- Euro pro Modul und Teilnehmer*in (für beide Module 1100,- EUR) inklusive Workshop-Materialien und Verpflegung